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drehpunktkultur.at 25.10.2006 


Raiding: Neuer Konzertsaal im Mittelburgenland
Wolfgang Stern, drehpunktkultur.at 25.10.2006

Ein erfolgreicher Start für einen neuen Konzertsaal im Geburtsort von Franz Liszt, eine Woche lang Kultur, insbesondere Musik, auf höchstem Niveau.

Unter der Intendanz von Walter Reicher von den Haydn-Festspielen Eisenstadt wird Raiding "mitbetreut": Eine neu gegründete "Franz Liszt Gesellschaft" wird sich zu den bisherigen Kulturveranstaltern gesellen und mit dem neuen Konzertsaal (Fassungsvermögen 600 Personen) punkten können. Ein klarer und eher schlichter Bau hinter dem Geburtshaus von Franz Liszt ist das Produkt des Ateliers Kempe Thill aus den Niederlanden. Weiße Wandflächen, Glas und Holzelemente – der Konzertsaal ist mit seinen Proportionen, seinen großflächigen Kassettenwänden und -decken ein idealer Ort, um Kammermusik zu präsentieren. Die Akustik ist, wie man nun in den Konzerten feststellen konnte, ausgezeichnet. Immerhin war es Karlheinz Müller (der auch in Salzburg über die Akustik des "Hauses für Mozart" wachte) aus München, der beriet.

Der Schreiber dieser Zeilen konnte sich im Konzert von Mischa Maisky und dessen Tochter Lily überzeugen, dass (Kammer-)Musik in diesem Saal zum Erlebnis werden kann. Nach einer eindrucksvollen Wiedergabe der Beethoven'schen Sieben Variationen über das Duett "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts Zauberflöte herrschte Spannung durch den gesamten Abend. Meisterhaft gestaltete Maisky Schuberts Sonate für Arpeggione und Klavier a-Moll D 821.

Danach Romantik pur. In den drei Romanzen (Fassung für Violoncello und Klavier) Sergej Rachmaninows brillierte der Cellist, der von seiner Tochter Lily auf einem neuen Steinway-Flügel technisch einwandfrei, aber noch mit etwas wenig Gefühl begleitet wurde. Eigentlich war – und das wäre das einzige Manko des Abends – eine etwas kühle Vater-Tochter-Beziehung festzustellen. Souverän dann der Abschluss mit der Schostakowitsch-Sonate d-Moll op. 40. Auch hier ein konzentrierte Vater Maisky, der alle Register seines Könnens zog.

Leider musste krankheitshalber der Liederabend mit Angelika Kirchschlager abgesagt werden. Dieser wird jedoch am 4. November nachgeholt.

Das Burgenland punktet mit einem neuen Veranstaltungsort. Raiding wird das Kulturleben unseres östlichsten Bundeslandes beleben. Für die Zukunft ist an Konzertreihen im Frühjahr und im Herbst gedacht. Man darf gespannt sein auf die zukünftige Programmgestaltung, bei der sicherlich das Werk von Franz Liszt eine starke Berücksichtigung finden wird.