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wiener zeitung 18.10.2006 


Neue Liszt-Tage: Neid auf Raiding
Rainer Elstner, Wiener Zeitung 18.10.2006

"Die ganze Welt beneidet uns um Franz Liszt", meinte vor Jahren ein offizieller Vertreter Raidings bei der Eröffnung der Liszt-Tage im Geburtsort des großen Komponisten. Damals fand das Festival in der Dorfkirche statt. Nun darf Raiding eine architektonisch und akustisch gelungene Konzerthalle des Rotterdamer Architekturateliers Kempe Thill sein Eigen nennen. Und mit "Liszten in Raiding" ein einwöchiges Festival, das internationale Musikstars ins Burgenland lockt. Jetzt ist Raiding zu beneiden.

Das Konzerthaus, ein weißer Kubus mit fichtenholzverkleidetem Saal für 600 Besucher, bietet dank breiter Sichtfenstern vom Foyer aus einen idyllischen Blick aufs kleine Geburtshaus Liszts. Ein Ort, an den Liszt mehrmals zurück kehrte und von dem er sich durch seine Mutter eine Fotografie ins Ausland schicken ließ, wie dank Schauspieler Peter Simonischek zu erfahren war, der aus Briefen Liszts las.

Bundespräsident Heinz Fischer betonte in seiner Eröffnungsrede die europäische Dimension des Künstlers Liszt. Solche Dimensionen hat auch die Finanzierung des Konzerthauses: Der Großteil der 6,8 Millionen Euro stammt aus EU-Mitteln.

Experimenteller Auftakt 
International auch der musikalische Teil der Eröffnung: Mit der Uraufführung von "Liszt[:t:]raum", die der österreichische Komponist Gerhard Krammer mit dem Videokünstler (und Liszt-Urururenkel) Antoine Wagner-Pasquier erarbeitet hat, wurde Liszt ins 21. Jahrhundert geholt. Krammer ließ Module seiner Komposition zeitgleich im Raidinger Geburtshaus, im letzten Auftrittsraum Liszts in Luxemburg und im Bayreuther Sterbezimmer aufführen. Im Raidinger Konzerthaus wurden die Ton- und Bildleitungen zusammengeführt – ein gelungenes Experiment. Liszts Klaviermusik in seiner virtuosesten Form interpretierte zum Abschluss Leslie Howard.

Liszten in Raiding
Musikprogramm startet heutige, Mittwoch, mit einem Auftritt der Gebrüder Kutrowatz. Danach unter anderem: Angelika Kirchschlager, Mischa Maisky. Vielversprechend eröffnet.