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drehpunktkultur


Aus Liszts symphonischer Raritätenkiste (Horst Reischenböck, 28.10.2011)

Mit interessanten Programmen, u.a. selten zu hörenden Tondichtungen, gespielt von der Wiener Akademie unter Martin Haselböck, verabschiedete sich Franz Liszts Geburtsort Raiding musikalisch am Nationalfeiertag von der heuer ausgerufenen „Lisztomania 2011“. 

Pianisten vom Range eines Boris Bloch oder Arcadi Volodos traten zum Schluss des zehnteiligen Klavierzyklus im Franz Liszt Konzertsaal auf und begeisterten das Publikum. Beispielsweise mit den Grandes Études d’après Paganini oder der h-Moll-Sonate. Die guten Nachrichten auch gleich vorneweg: die sehenswerten Ausstellungen im Burgenland laufen noch bis einschließlich 11. November und über das kommende Jahr hinweg verstreut wird das „Liszt Festival Raiding“ erneut selten zu Hörendes bieten. So etwa im März die Faust-Sinfonie, zusammen mit dem Chorus sine nomine, oder im Oktober sechs der Ungarischen Rhapsodien, jeweils auf Originalinstrumenten gespielt.

Dieser Originalinstrumente bedient sich Wiener Akademie, die soeben – einen Tag nach Liszts 200. Geburtstag – ihre Aufführungsserie und zugleich Live-Aufnahme aller seiner Tondichtungen abgeschlossen hat, mit absoluten Raritäten. So zu Beginn die beeindruckende Nr.5, „Prometheus“, der man ohne weiteres gerne öfter begegnen würde. Aus einer Ouvertüre, in Weimar einem Schauspiel von Johann Gottfried Herder vorangestellt, hat Liszt sie weiter entwickelt und sich mit dem Mythos des Halbgottes auseinander gesetzt.

Gleichsam als Einstieg in die drei Sätze „Von der Wiege bis zum Grabe“ nach der Pause ließ Martin Haselböck vorneweg die Orchesterfassung von „La Notte“ – des darin vorherrschenden Trauermarsches der zweiten der Trois Odes funèbres – erklingen. „La Notte“ wiederum fußt auf „Il penseroso“ aus dem 2. Band des Klavierzyklus „L’annees de pelerinage“. Es folgte der in Rom entstandene „Le Triomphe funèbre de Tasso“, in dem Liszt sein Scheitern in Weimar reflektierend als Nachspiel zu seiner von Johann Wolfgang von Goethe inspirierten Tondichtung thematisierte.

Um dem Ganzen doch noch eine Wendung ins Positive zu geben, gab’s zum Ausklang dann die allgemein, ohne poetische Vorlage gefassten „Festklänge“, von Martin Haselböck sprechenden Händen beflügelt. Eine Einschränkung freilich: Man spielte auf Originalinstrumenten, aber die Musizierpraxis war dem nicht immer angepasst. So hätte sich der Solocellist jedenfalls durchaus weniger wabernden Vibrati befleißigen mögen. Neben den lyrisch aufblühenden Holzbläsern durften sich allerdings Posaunen und Trompeten, vor allem aber das prächtige Hornquartett jubelnd in der exzellenten Saalakustik nochmals in Szene setzen.