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3sat kulturzeit


Superstar der Romantik. Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt
(21.03.2011, Barbara Pichler-Hausegger & Peter Schneeberger)

Er hat bewegt – in einem Ausmaß, wie es die Musikwelt bis zu seinen Auftritten kaum gekannt hat: Franz Liszt, der Superstar der Romantik, hat vor allem die Damenwelt zu „Entäußerungen“ hingerissen – Ohnmachtsanfälle, Tumulte und Handgreiflichkeiten inklusive. Heinrich Heine prägte den Begriff „Lisztomanie“. Unter diesem Motto wird nun auch der 200. Geburtstag von Franz Liszt gefeiert. Er war ein „Mann der Widersprüche“: Franz Liszt hat sich nie um gesellschaftliche Konventionen gekümmert. Gleichzeitig hat er alles getan, um geliebt zu werden: vom Publikum im Allgemeinen und von den Frauen im Besonderen. Er war der Inbegriff des romantischen Künstlers, ein schöner junger Mann, der erste Massenhysterien entfachte.

Liszt-Gedenkmarke. Lange hat das Dorf Raiding im Burgenland im Dornröschenschlaf geschlummert. Mit der Eröffnung der Liszthalle 2006 wurde es wach geküsst. Im Jubiläumsjahr feiert man nun den großen Sohn mit Konzerten, Ausstellungen und Fanartikeln aller Art. Liszt hat hier seine Kinderjahre verbracht. Das Dorf hat er nach seiner Schulzeit nur ein einziges Mal wieder besucht. Der ehrgeizige Vater Adam Liszt wäre selbst gerne Musiker geworden. Was ihm versagt blieb, konnte er im begabten Sohn ausleben. Er war ein gefeierter Kinderstar, der von Wien aus die Konzertpodien Europas eroberte. Er hatte zahlreiche Affären, zwei langjährige Partnerschaften mit Damen der höchsten Gesellschaft und mindestens drei uneheliche Kinder- das war kein der Moral des 19. Jahrhunderts verpflichteter Lebenswandel.

Mehr Nähe zum Publikum. Auch das Konzertleben hat Liszt revolutioniert. Bei ihm gab es keine bunten Potpourris mehr. Ein Künstler wie Liszt duldete keine anderen Interpreten neben sich. Stand das Klavier noch bis ins 19. Jahrhundert in der Längsachse zum Publikum, stellte ihn Liszt den Flügel einfach quer zum Publikum. Aus dem Konzertsaal ließ er die Bestuhlung kurzerhand entfernen – alles für mehr Nähe zum Publikum. Er war kein demutsvoller Diener der Kunst, sondern ein sich seines Wertes bewusster Künstler – was seiner Popularität nicht geschadet hat. Am Höhepunkt seiner pianistischen Laufbahn hat Liszt in acht Jahren mehr als 1000 Konzerte gegeben – in ganz Europa.

Damit hat Liszt nicht nur viel Geld verdient, sondern auch wesentlich zur Verbreitung von Musik beigetragen. In zahlreichen Bearbeitungen hat Liszt auch seine Komponistenkollegen gewürdigt und in ganz Europa bekannt gemacht. Und sich gleichzeitig mit seinen eigenen Kompositionen zukünftigen Klängen des 20. Jahrhunderts genähert.