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Franz Liszt, der Europäer (Walter Höfer 26.02.2011)

Vor 200 Jahren, am 22. Oktober 1811, wurde der geniale, blendend verdienende Komponist Franz Liszt geboren. Anton Mayers Biografie sollte man bis dahin längst gelesen haben. Der in Raiding geborene Künstler war ein Kind des Habsburgerreiches. Der Heimatort gehörte damals zu Westungarn, heute zum Burgenland in Österreich. Der Buchautor sieht aber in Liszt weder einen typischen Ungarn noch einen angestammten Österreicher, sondern ein Musikgenie mit gesamteuropäischer Verankerung.

Sein bewegtes künstlerisches wie privates Leben spielte sich in Paris, Rom, Wien, Budapest oder Weimar ab. In Bayreuth starb Liszt am 31. Juli 1886, beim Requiem spielte Anton Bruckner an der Orgel. Mayer spricht daher vom „Europäer Liszt“, dessen erste wichtige Sprache im Beruf Französisch war, während er Ungarisch nicht beherrschte. Der zweite Teil des Buch-Untertitels betrifft den „Frauenschwarm“ Liszt, der von der holden Weiblichkeit angehimmelt wurde, und der auch kaum eine Gelegenheit für erotische Begegnungen ausließ. Da ist es fast verständlich, dass er zwar dreifacher Vater, aber nicht verheiratet war.

Die Psyche eines Getriebenen
Eine detaillierte Werkanalyse des musikalischen zu Neuerungen drängenden Künstlers wird man in der Biografie vergeblich suchen, sehr wohl aber blickt man in das Seelenleben des stets getriebenen Künstlers. Seine latente Verunsicherung unterstreicht folgendes Eingeständnis: „Die ganze Welt ist gegen mich. Die Katholiken, weil sie meine Kirchenmusik zu weltlich finden, die Protestanten, weil für sie meine Musik zu katholisch ist, die Freimaurer, weil sie meine Musik zu klerikal empfinden; für die Konservativen bin ich ein Revolutionär, für die ,Futuristen’ ein falscher Jakobiner … Die Deutschen sind gegen meine Musik als zu französisch, die Franzosen als zu deutsch, für die Österreicher mache ich Zigeunermusik, für die Ungarn fremdländische Musik. Und die Juden verachten mich und meine Musik ohne jeden Grund.“

Das Buch
Der Autor hat in seinen detailreichen, kurzweiligen Ausführungen namhafte Biografen und Liszt-Kenner mehrmals zitiert. Umso bedauerlicher ist, dass das Buch zwar ein Namensregister, aber kein Quellenverzeichnis aufweist. Anton Mayer: „Franz Liszt. Musikgenie und Frauenschwarm“. Verlag Amalthea, 242 Seiten mit 20-seitigem Bildteil, 22,95 Euro.