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Gipfel der Lisztomanen (Theresa Steininger, Juni 2011)

 

Liszt-Spiele. Mit Jazz- und Gypsy-Improvisation neu arrangierter Liszt, von Videos begleiteter Liszt und nie zuvor gespielter Liszt sind beim Liszt Festival im Juni angesetzt – in einem Jahr, in dem in Raiding rund 135 verschiedene Werke des Jubilars zu hören sein werden.

 

Selten bis nie Gespieltes, Besonderes, neu Adaptiertes: Was Johannes und Eduard Kutrowatz beim Liszt Festival Raiding gerade im heurigen Jubiläumsjahr bieten wollen, solle „ein Festspielprogramm im pursten Sinne des Wortes sein, nicht Werke, die landauf, landab sowieso gespielt werden“, so Johannes Kutrowatz im Interview.

 

Visionär der Musik. Das eigene Konzert des Intendanten- und Pianistenduos soll dem Publikum neue Blickwinkel ermöglichen: Der Videokünstler und Komponist Gerhard Krammer hat basierend auf Liszts „R. W. Venezia“ das neue Stück „F. L. Venezia“ geschaffen und dazu einen Film kreiert, der eine Assoziationslinie zeichnet. „Der Abend bringt in komprimierter Form, was uns immer schon an Liszt fasziniert hat, seine Ausdruckstiefe, seine Farbenpracht und sein Höchstmaß an Imagination. Auch als Visionär der Musik stellen wir ihn vor, wenn wir an diesem Abend Gershwins ‚Rhapsody in Blue‘, die es ohne Liszt wohl so nicht gäbe, spielen“, sagt Kutrowatz.

 

Impro-Liszt. Neue Zugänge verspricht auch das Konzert von Georg Breinschmid zu liefern, jenem Klassik-Jazz-Romamusik-Improvisator, der all seine Wurzeln zu Neuem, dem einzigartigen „Brein’s-Cafe“-Klang, verknüpft. Für das Liszt Festival befasst er sich mit „Mephisto-Walzer“, „Liebestraum“ und „Orpheus“-Dichtung. „Das letzte, was ich will, ist eine verjazzte Fassung, aber wenn ich in meiner Formation spiele, ist Improvisation etwas Essentielles“, sagt Breinschmid im Interview. „Wir setzen, ohne uns vergleichen zu wollen, Liszts Linie fort, der auch komponierte Musik mit Improvisation verbunden hat. Im Idealfall ermöglicht dies beim Publikum neue Zugänge.“

 

Zudem ist es den Intendanten gelungen, einige der größten Lisztomanen der Welt nach Raiding zu verpflichten. Der australische Pianist Leslie Howard ist der Einzige, der nicht nur das Gesamtwerk für Klavier auf 99 CDs eingespielt hat, sondern auch mehr als 300 unveröffentlichte Liszt-Kompositionen herausgegeben hat. „Es ist wunderbar, ihn hier zu haben“, sagt Kutrowatz. „Er wird auch selten oder nie gespielte Werke beziehungsweise solche, die bisher nur er gespielt hat, bei uns zur Aufführung bringen.“ Eine weitere Liszt-Expertin ist Roberta Pili, die ihr Konzert unter das Motto „Totentanz“ stellt. Für den Abschluss des Juni-Festivalteils hat Martin Haselböck, der von 2010 bis 2012 das gesamte Orchesterwerk Liszts in Raiding aufführt, „Hunnenschlacht“ gewählt.

 

Orgel-Liszt. Eröffnet wird der Sommerblock mit einem Festgottesdienst und einer Aufführung der „Missa Choralis“, die auch im ORF übertragen wird, an der Orgel spielt Wolfgang Horvath. Dieser widmet zudem heuer einige Konzerte des „OrgelLockenhaus“, dessen Intendant er ist, dem Jahresregenten. Eröffnet wird mit „B. A. C. H.“, mit dem 2003 schon die Rieder-Orgel, die größte des Burgenlands, eingeweiht wurde. Eine lange Nacht der Orgel, ein Festgottesdienst und Sakralkonzerte im Rahmen von „Musica Sacra“ das ganze Jahr über sowie ein Kinderkonzert folgen. „Liszt wird bei uns nicht nur im Jubeljahr gespielt – aber wir können hier eine schöne Ergänzung zum Liszt Festival bieten“, so Horvath. Auch Kutrowatz sagt: „Das Orgelwerk wird oft vernachlässigt, gerade im Liszt-Jahr wollen wir es entsprechend platziert wissen.“ Liszt in vielen Facetten bietet neben dem Juni auch im Herbst einen Höhepunkt: Vom 19. bis 26. Oktober steht ein finaler Liszt-Block im Rahmen der „Festklänge“ in Raiding auf dem Programm.